Der Duft von Thymian liegt in der Luft, von Minze, Salbei und Zitronenmelisse. Bienen summen um lilafarbene Blüten der Lavendelbüsche herum, Hummeln tummeln sich an Himbeer-, Stachelbeer- und Johannisbeersträuchern. Unter dem Gewächshausdach färben sich kleine und große Tomaten mit jedem Sonnentag intensiver rot und weiße Rübchen strecken ihre Köpfe aus der Erde hervor. Ein Hahn kräht. Der Garten von Familie Faust-Spanier ist eine Idylle für Naturfreunde und Feinschmecker – und eine grüne Oase bei Nonnweiler und direkt vor den Toren des Nationalparks Hünsrück-Hochwald.

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„Wir bauen fast alle Produkte, die wir für unser Restaurant und für uns privat brauchen, selbst an“, erzählt Anja, während sie mit einer Schüssel und einem kleinen Messer ausgestattet durch ihren Garten streift. Lediglich Fleisch und manche Milchprodukte kauft Anja bei regionalen Produzenten dazu. Auf 800 Quadratmetern wachsen hinter ihrem Haus unzählige Obst- und Gemüsesorten, angefangen bei Tomaten und Kartoffeln über Birnen, Äpfel, Brombeeren, Karotten bis hin zu Kräutern. „Hier wächst und gedeiht es zwölf Monate im Jahr“, sagt die gelernte Floristmeisterin stolz. Bei den Beerensträuchern angekommen, pflückt sie die reifen Früchte einzeln und legt sie liebevoll in ihre Schale. Rote Stachelbeeren neben schwarze Johannisbeeren und pinkfarbene Himbeeren obendrauf. „Sieht das nicht toll aus?“, fragt sie ihren Mann Stefan, der gerade aus dem Hühnerstall kommt. „Na klar“, antwortet er schmunzelnd. „Auf die Eier musst du aber noch warten, die Hennen sind noch nicht fertig.“

 

Die Küche ist Anjas Reich

 

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Bis vor zehn Jahren betrieb das Paar hier in Otzenhausen eine Blumen- und Zierpflanzengärtnerei in dritter Generation, dann entschieden sie sich, ihren Lebensstil zum Beruf zu machen und stellten den Betrieb auf Obst- und Gemüseanbau um. „Wir haben schon immer sehr bewusst und mit Genuss gegessen und früh angefangen, Gemüse anzubauen, zunächst aber nur so nebenbei“, erzählt Anja. „Dann haben wir ein kleines Café eröffnet und mittlerweile ist daraus ein Restaurant geworden.“

Im Innenraum des Lokals können die Gäste Relikte aus Zeiten des Gärtnereibetriebs finden: Die große Theke zum Beispiel, auf der Anja früher bunte Blumen zu Sträußen band, oder die hohen Metallregale, in denen Blumentöpfe und Zierpflanzen auf ihre Käufer warteten. Dazwischen stehen heute rustikale Holztische und im Kamin in der Mitte des Raums flackert im Winter ein gemütliches Feuer. Mittlerweile gibt es hier auch eine zweite Theke für Kuchen und kleine Törtchen mit rosafarbenen und schokoladenbraunen Crèmes oben drauf – natürlich alles hausgemacht. Und aus der Kaffeemaschine strömt der Duft nach frisch gemahlenen Bohnen. Bei gutem Wetter können Gäste auch draußen im Garten sitzen, zum Beispiel im Schatten der Apfelbäume, auf der Wiese oder auf den beiden Liegen direkt am kleinen Teich. Hier gibt es für jeden das passende Wohlfühl-Plätzchen. Über dem Restaurant befinden sich außerdem noch liebevoll eingerichtete Gästezimmer für Urlauber.

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Apropos Duft: Auch aus der angrenzenden Küche riecht es ganz verlockend. Anjas Tochter Johanna hat Brot gebacken. Gerade holt sie die drei Kastenbrote aus dem Ofen und befreit sie aus ihren Formen. Vorsichtig klopft Johanna auf die Kruste, das Brot klingt hohl. „Dann ist es gut“, sagt sie und freut sich auf eine warme Scheibe mit Butter. Letztere ist übrigens auch selbst gemacht. „Wir kaufen zu 98 Prozent regional ein“, erzählt Anja. „Allerdings liegen wir hier im Nordsaarland und ein bisschen ab vom Schuss. Deshalb bekommen wir nicht immer alles in der Qualität, die wir uns wünschen.“ Also hat sie angefangen, vieles selbst zu machen: Butter, Quark, Chutneys, Aufstrich, Marmeladen und sogar ihre eigene Wurst. „Ich lagere alles in meiner Schatzkammer“, sagt Anja und öffnet eine große Tür im hinteren Teil des ehemaligen Blumengeschäfts. Bis unter die Decke reichen hier die Holzregale, gefüllt mit unzähligen Gläsern, eines neben dem anderen, eine Reihe über der nächsten. Die Regale hat Stefan in Fächer unterteilt, jedes von ihnen ist beschriftet: süß-saure Tomaten, Holunder-Chutney, Quitten-Sirup, Erdbeermarmelade und vieles mehr.

 

Im Landhaus Spanier leben auch viele Tiere

 

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Das eingelegte Gemüse kombiniert Anja dann gerne mit frischen Zutaten aus dem Garten. Zum Beispiel zu einer Quiche. „Ich habe einen guten Schuss südfranzösisches Blut in mir“, lacht sie. „Da gibt es schon öfter mal etwas aus der französischen Küche auf den Teller.“ Für die Quiche braucht sie Sahne, Frischkäse, Thymian, Rosmarin und Eier. Dafür schickt sie Stefan erneut in den Hühnerstall – „wollen doch mal sehen, ob die Damen jetzt fertig sind“, meint er, „aber hier braucht eben alles seine Zeit.“ Und tatsächlich liegen sieben Eier in den Nestern: „Ab damit in die Quiche. Frischer geht’s nicht.“ Anja brät unterdessen Zwiebeln in Butter an, sofort füllt der Geruch die ganze Küche. Dazu kommen junge Erbsen samt Schoten, weiße Rübchen und Stachelbeeren. „Ja, genau. Die nutze ich gerne auch als Gemüse. Sie geben einem Gericht einen säuerlich-frischen Kick.“ Das Gemüse und die Sahne-Frischkäse-Ei-Masse kommen auf einen Mürbeteig in eine Quicheform und rein in den Ofen. Dann heißt es warten.

Wie viel Zeit sie pro Woche in der Küche und in ihrem Garten verbringt? „Oh, bestimmt so an die 120 Stunden“, sagt Anja. „Aber was wir hier machen, ist keine Arbeit. Es ist ein Beruf und das Wort kommt für uns von Berufung. Es ist unsere Leidenschaft.“ Das sieht man auch an Tochter Johanna, die den Betrieb irgendwann einmal weiterführen möchte. Auf ihrem Balkon im zweiten Stock des Hauses versorgt sie die frisch geschlüpften Hühner-Küken. Gelb und flauschig sitzen sie piepsend in einer Ecke ihres Stalls, fürsorglich bewacht von der Henne – und von Johanna.

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Neben den Hühnern leben auch noch vier Katzen, zwei Hunde, eine Schildkröte und die Meerschweinchen im Garten. „Die Tiere sind ein Teil unseres Alltags“, erzählt Anja. „Ohne sie wäre das alles hier nicht das, was es ist.“ Mit den beiden Hunden ist das Paar auch gerne im angrenzenden Nationalpark unterwegs, mit dem es sich sehr verbunden fühlt. „Hier können wir abschalten, Ruhe finden und Zeit für uns genießen“, so Anja. Zudem ist ihr Betrieb einer von 50 Nationalpark-Partnern. „Wir haben uns damit verpflichtet, nachhaltig, regional und saisonal zu arbeiten“, sagt sie. „Aber das ist uns leicht gefallen, das machen wir ja sowieso. Das ist unser Weg, den Menschen zu zeigen, wie wichtig gesundes Essen ist und das geht nicht als Fast Food, sondern nur auf langsame Art. Es braucht einfach eine gewisse Lebenszeit, Lebensmittel anzubauen, zu verarbeiten und zu sich zu nehmen.“

Die Quiche braucht im Ofen genau eine Stunde. Dann ist ihre Oberfläche leicht braun und der Teig knusprig. Vorsichtig richtet Anja drei Teller an, mit ein wenig Salat, ein paar süß-sauer eingelegten Tomaten, Kapuziner-Blüten und ein wenig selbstgemachte Balsamico-Creme. Gemeinsam sitzt die Familie dann unter einem Apfelbaum und genießt den lauen Sommerabend und die Quiche. Es riecht nach Thymian und Salbei. Bienen summen wie gewohnt in den Blüten des Lavendels und der Hahn kräht im Stall, als wollte er den dreien guten Appetit wünschen. Eine grüne Oase am Ortsrand von Otzenhausen.

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Fotos: Gregor Lengler

Öffnungszeiten

dienstag bis freitag 11.30 - 18.00 

samstag & sonntag   11.30 - 19.30

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